Jana Frey | Autorin

JETZT NEU: EINMAL LIEBE UND ZURÜCK

Eine Liebesgeschichte zu Zeiten der DDR

 

Sie beeilten sich mit dem Fröhlichsein. Es war ein kalter Tag mit hohem, grauem Himmel und hungrig krächzenden Krähen.

„...Wahnsinnig schön, dass du gekommen bist“, sagte Lukas.

Er lächelte Anni zu.

„Lila Haare – wow!“ Kuss? Kein Kuss? „Gefällt's dir?

Anni fuhr sich durch die kurzen, leuchtend lila Haare.

Sie dachte an den Sekundenkuss am Tränenpalast. Blöd, wie lange das schon wieder her war.

Immer musste man alles völlig neu angehen, wenn man sich so lange nicht gesehen hatte.

Er und Anni. Anni und er. Etwas eigentlich Unmögliches. Ost und West. West und Ost.

Eine Klassenfeindin, die keine war. Ein Mädchen aus dem Westen. Das beste Mädchen der Welt.

Egal von woher. Oh Mann, und jetzt saß sie hier neben ihm im Trabi seines Vaters.

Und sie waren doch erst fünfzehn. Aber was hieß eigentlich 'erst'? Sie waren schon fünfzehn.

Und ihnen gehörte, verdammt nochmal, diese ganze, verquere Welt....

 

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EMPFEHLUNG: DIE GEFÄNGNISBAUERIN

 

...„Ich sperre sie ein.

Warum?

Weil sie böse ist, natürlich.

Stirbt sie dann?

Nein, ich füttere sie.

Womit?

Mit Würmern.

Pablo nickte und sah zu, wie seine zehnjährige Schwester für seine Ma kleine, braune Knetwürste rollte, die sie hinterher durch die Pappgitter des Gefängnisses steckte. „Da, iss“, sagte sie leise.

Ihre Ma war aus Papier und an ihren rotgefärbten Haaren und den langen, dünnen Beinen gut zu erkennen. Eingeknickt und etwas knittrig saß sie im Gefängnis und wartete auf mehr Würstchen.

Hetti begann über ihre Mutter nachzudenken, wie sie es oft tat. Sie war geboren, als ein Krieg, ein Weltkrieg, eben zu Ende gewesen war. Eine große Geschichte über eine große Familie...

 

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REGENTROPFENGLÜCK

 

Was ist Liebe?

Für Nisha bedeutet Liebe vor allem Gefahr. Was man liebt, kann man auch verlieren.

Doch als sie im Bus den sechzehnjährigen Ben trifft, kann sie ihn nicht mehr vergessen.

Ben mit den blättergrünen Augen, der für sie Spagetti im Regen kocht.

Ben, der ihr mitten auf der Straße und einfach so ein Liebeslied vorsingt.

Ben, der sie buchstäblich von den Füßen reißt. Nisha kann nicht anders, sie muss ihn zurücklieben. Und sie möchte ihm das Kostbarste vorstellen, was sie hat: ihre Familie.

Doch kann Ben mit Nishas Version von unendlicher Liebe umgehen?

 

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LESEPROBE

 

...Irgendwann bekam Hetti ein Kammergespräch ihrer beiden Schwestern mit.

‚…ich muss ihm vorlesen, jeden Tag‘, sagte Brigitte leise.

‚Du musst – Gott vorlesen?‘

Nancys Stimme klang verblüfft.

‚Ja‘, flüsterte Brigitte.

‚Aber… warum?‘

‚Er – will es.‘

‚Woher weißt du das?‘

Brigitte zögerte einen Moment.

‚Ich… weiß es nicht genau. Er – er will es eben…‘

‚Hat er das gesagt?‘

Brigitte zögerte erneut. ‚Nicht direkt‘, sagte sie schließlich. ‚Er… er war plötzlich da. Im Zimmer. Ich – ich muss ihm vorlesen. Und mich verbeugen. Das… das ist so.‘

‚Du hast Gott – gesehen?‘, hakte Nancy erneut nach.

Brigitte nickte. ‚Er kommt in dieses Zimmer. Immer, wenn ich alleine bin.‘

‚Wie sieht er aus?‘

‚Gut und böse‘, flüsterte Brigitte. Ihre Stimme war schwer wie ein Stein.

 

Vera beschloss, es zu ignorieren.

„Sie will sich einfach wichtigmachen, das ist alles“, sagte sie ärgerlich zu Arnulf. Brigittes Gesichtsfarbe war in diesen Tagen wie Milch. Sie schlief kaum noch, und wenn sie schlief, schreckte sie immer wieder schreiend aus dem Schlaf auf. Zweimal hatten ihre Mutter und Arnulf sie nachts, als sie spät zurückkamen, weggetreten auf dem kalten Fußboden im falschen Raum aufgelesen. Vera schloss die Augen. Hatte sie sich nach Pablos Entbindung nicht geschworen, nie wieder schwanger zu werden? Aber sie vertrug die Pille nicht, bekam von den verdammten Hormonen Bluthochdruck. Die eingesetzte Spirale war in ihrer Gebärmutter gewandert – das musste man sich einmal vorstellen! – sie hatte schreckliche Schmerzen von ihr bekommen und eine Blutung, die schlimmer gewesen war als jede Monatsblutung. – Kondome? Dagegen wehrte Arnulf sich. („Spinnst du? Ich stülpe mir doch keine – Lümmeltüte über wie ein verdammter Schulbub!“) Und so war es gekommen, wie es kommen musste. Sie wusste bereits, dass sie wieder schwanger war, aber sie hatte es noch niemandem gesagt. Das Leben war einfach eine beschissene Angelegenheit.

 

‚Manchmal kommt er nicht‘, sagte Brigitte tonlos. ‚Aber manchmal bleibt er auch über einen Tag.‘

‚Sagt er was?‘, fragte Nancy.

Brigitte schüttelte den Kopf. ‚Nein, er – schaut mich nur an.‘

 

Irgendwann geriet Gott wieder in Vergessenheit. Drei Jahre lang war er oft im falschen Raum erschienen, aber plötzlich war es

vorbei damit. Brigitte wurde vierzehn, fünfzehn, sechzehn, siebzehn, ihre Augen tränten, ihr Haar wurde fettig und schlaff,

sie hasste das Baby Jimi, sie war eifersüchtig auf Nancy, sie ignorierte, so gut es ging, Hetti und Pablo… – Warum waren sie

nur so viele? Als ihr Vater seinen Schlaganfall hatte, war es ihr, als – sehe sie Gott für einen Moment, genau in dem Moment, als sie und Nancy den zusammengebrochenen Körper ihres Erzeugers in seinem Schlafzimmer fanden, aber dann glaubte sie, sich

versehen zu haben.

 

Bis er wiederkam. Und blieb....

 

Aus Die Gefängnisbauerin 2017 Jana Frey