Jana Frey wurde 1969 in Düsseldorf geboren.

Schon im zarten Alter von fünf Jahren begann sie mit dem Geschichtenschreiben, einer Leidenschaft, die sie seitdem nie mehr losgelassen hat.

 

1994 erschien ihr erstes Jugendbuch. Viele weitere folgten.

Seit Langem schon schreibt sie mit  viel Freude auch für die kleinen und ganz kleinen Leserinnen und Leser.

 

Jana Frey lebt mit ihren zwei jüngsten Zwillingstöchtern und dem Familienhund Luzie in einer kunterbunten Wohnung in Süddeutschland.

 

Ich arbeite verbissen, denn ich erkämpfe mir meine Schreibzeit!

Ich bin leidenschaftliche vierfache Mutter - und alleinerziehend. Meine große Tochter hat vor einem Jahr Abitur gemacht und besucht jetzt eine Musical- und Schauspielschule. Außerdem hat sie vor einer Weile angefangen, wunderbare Drehbücher zu schreiben. Das Leben mit ihr ist sehr schillernd und immer spannend und nervenaufreibend. Mein Sohn ist zwanzig und Gründer einer Filmproduktionsfirma, Regisseur, Kameramann, außerdem Taucher und Rettungssanitäter und ebenfalls immer on tour. Auch das erfordert viel Einsatz und gute Nerven. Meine beiden kleinen Zwillinge lernen Fahrrad fahren, schreiben, entdecken nebenbei die wilde Welt und wollen meine Aufmerksamkeit am liebsten rund um die Uhr. Und inmitten all dieses Trubels schreibe ich Bücher - inzwischen sind es etwa 90: in freigeschaufelter Vormittageszeit, an wunderbaren, fast freien Nachmittagen in meinem Lieblingsbiocafé an meinem rosa Laptop (das Rosa ist, damit es mein Sohn nicht vereinnahmt und davonträgt). Ab und zu müde am Abends, wenn die Kleinen endlich schlafen und die Großen irgendwo in der Welt unterwegs sind (was mich immer noch sorgenvoll wach hält). Manchmal mitten in der Nacht - dann aber nur handschriftlich bei Kerzenlicht (oder Salzkristalllampenschein) in mein chaotisch anmutendes Ideen- und Notizenbuch.

Leben. Lieben. Kämpfen., steht darauf.

 

Unruhe, sprich: laute, glückliche Kinder inspirieren mich beim Arbeiten. Ich erinnere mich an einen Roman in einem heißen Sommer, den ich fieberhaft schrieb, während meine Kinder und deren Freunde in unserem alten, schnörkeligen Treppenhaus und dem grautrübdüsteren Hinterhof (darunter und dahinter) ihre ersten Videofilmproduktionen drehten (damals: ein sehr lauter, rauchiger James-Bond-Film), bei dem unsere übrig gebliebenen Silvesterknaller zum laut explodierenden und qualmenden Einsatz kamen. Inmitten dieses Trubels konnte ich wunderbar schreiben!

Und wenn alles nichts nützt: teure Biogummibärchen (weil ohne Schweinegelantine) und Sekt!

Meistens arbeite ich an meinem Arbeitstisch, der unordentlich wirkt, aber nicht unordentlich ist. Alles hat einen Platz, auch, wenn man das nicht immer auf den ersten Blick sieht. Manchmal schreibe ich aber auch auf meiner Lieblingsrheinwiese, im Café oder in der Altstadt unserer Stadt, weil ich dann die Stille und Einsamkeit fürchte - und Menschen sehen muss.

 

Früher schrieb ich fast immer voller Glück, voller Frohlocken und Entzücken: Schreiben war für mich nur pure Erfüllung! Aber im Laufe der Jahre ist das Schreiben härtere Arbeit geworden - Schreibblockaden entstehen! Ich erlebe Jugendliche auf Lesereisen, wie ich früher keine Jugendlichen erlebt habe. Sie sind voller Facebook, voller Bauer sucht Frau, Dschungelcamp und Deutschland sucht den Superstar. Sie irritieren mich und machen mich nachdenklich - und manchmal auch mutlos. Ich ertappe mich bei dem Gedanken (oder Gefühl?): Will ich für euch noch gerne schreiben? Auch die zunehmende Gewalt unter Jugendlichen, so sinnlos, so destruktiv, so grauenvoll raubt mir Energie. Das ist eine ganz andere Generation als meine 80er-Jahre-Jugend. Damals waren die Startbahn West, die Hamburger Hafenstraße, Wackersdorf und Gorleben Gesprächsthemen, die uns bewegten. Ich bin eben ein idealistisches Frederik-Vahle-Kind gewesen: Wir wollten die Welt froh, frei und bunt machen. Davon ist heute wenig übrig - aber ich schreibe - teilweise wütend - dagegen an. Sonst könnte ich nicht mehr schreiben. Vampirbücher, Bücher über "gefallene Engel", Dämonen, Schattenjäger, Bücher, auf deren Cover groteske Babywiegen mit Messern garniert - und dergleichen - abgebildet sind, sind für mich Sinnbild einer ins Destruktive kippenden Gesellschaft.

Mal hier und mal da. Oder auch meine Kinder: So ist meine große Tochter Malin "Gefühlspatin" von Ana aus meinem Roman Ich, die Andere. Aber auch Kelebek, die Protagonistin, denkt ähnlich wie meine große Tochter. Anteile meines Sohnes Tom sind außerdem in fast allen meinen Romanjungen, Romanjugendlichen, Romanträumern. Ich habe auch schön "böse", sadistisch anmutende Lehrer meiner großen Kinder in meine Bücher "gepackt", ebenso schwierige Persönlichkeiten, die mir im Leben begegnet sind, und die ich auf diese Weise besser auszuhalten gelernt habe. Ich war selbst während meiner Kinderzeit in den 70er-Jahren ein kleines, sehr dünnes Mädchen mit großen, traurig wirkenden Augen. Dabei war ich eigentlich wild und voller Energie, aber eben auch geplagt von Ängsten, Sorgen, Befürchtungen. Wenn ich nicht draußen unterwegs war, mit chronisch aufgeschlagenen Knien - damals gingen Kinder noch leidenschaftlich raus ins Freie, wer erinnert sich nicht an Wiesen und Straßen voller Kinder?, las ich wie verrückt Hunderte, Tausende von Büchern (mit vier Jahren fing ich damit an) und begann schon mit fünf Jahren mit meinen ersten handschriftlichen Geschichten, die ich bis heute sorgsam hüte. Ich liebte Astrid Lindgren (und tue es bis heute) und nahm mir vor, Schriftstellerin zu werden wie sie. Ich las und schrieb meine ganze Kindheit und Jugend über, ich wurde laut und bunt und ein Punkmädchen mit anarchistischen Ideen. Kaum achtzehn, lebte ich eine Weile in Amerika, nur um danach gleich nach Neuseeland aufzubrechen. Ich wollte die ganze Welt sehen, fühlen, erleben.

Immer hatte ich einen Packen Collegeblöcke im Gepäck, die ich mit kuligeschriebenen Geschichten füllte. Dann kam meine wunderbare erste Tochter und fast zeitgleich erschien mein erster Roman. Damals war ich zweiundzwanzig. Heute sind es 86 Bücher und es gibt sie in über 22 Sprachen...

Bild: Imke Stotz